Der Rumänenfriedhof in Zwentendorf

SAMSUNG CAMERA PICTURESAm Samstag, den 11. April 2015 entdeckten Brigitte und ich bei einer Radtour  einen Rumänenfriedhof. Ganz am westlichen Ortsrand von Zwentendorf in der Mariahilferstrasse steht die unscheinbare Gedenkstätte.
In erster Linie dient sie zur Erinnerung an die rumänischen Kriegs-gefangene, die als Zwangsarbeiter, hier in einem österreichischen Arbeitslager den Tod fanden. Wir fanden aber einen weiteren Gedenkstein, der zwar stark verwittert ist, aber wo man noch eine Inschrift mit „Kriegsgräber von 1939 – 1945“ lesen kann.

Rumänische Kriegsgefangene (1)

SAMSUNG CAMERA PICTURESRumänien hatte am 27. 08. 1916 Österreich bzw. den Mittelmächten den Krieg erklärt.

Die Rumänischen Kriegsgefangenen wurden zum Aufbau der Pulverfabrik herangezogen, sämtliche Transporte gingen über das ungarische Ostffyasszonyfa. Es wurden nördlich und südlich der Zufahrt zum Tor 2 ein Barackenlager für die Kriegsgefangenen errichtet. Ihre hauptsächliche Tätigkeit beim Bau der Pulverfabrik war, den Erdaushub zu besorgen.

In der Moosbierbaumer Dorfzeitung, Jahrgang 4, Ausgabe 11 vom September 2002 zur Geschichte des Chemiewerks Moosbierbaum – Pischelsdorf heißt es (2):

Entstanden ist die Fabrik in den letzten Jahres des 1. Weltkrieges (1916 – 18) als Munitions- und Sprengstofferzeugungsbetrieb (Pulverfabrik Skodawerke – Wetzler AG). Bis zu 5000 Arbeitskräfte trieben den Bau im sumpfigen Gelände an der Perschling zwischen Dürnrohr, Rust, Zwentendorf und Moosbierbaum voran, und viele der dort eingesetzten rumänischen Kriegsgefangenen sahen ihre Heimat nicht wieder. An sie erinnert noch heute der Rumänenfriedhof in Zwentendorf.

Durch hygienische Unzulänglichkeiten und den Auszehrungen durch Kriegseinsatz, Gefangenenlager und Transport und der damit verbundenen schlechten Ernährung, starben viele der Kriegsgefangenen fern ihrer Heimat.

SAMSUNG CAMERA PICTURESDie ersten toten Rumänen, die in Zwentendorf begraben wurden, waren 5 Mann, welche am 16. 3. 1917 verstarben, dann ging es pausenlos weiter. Es waren innerhalb von 40 Tagen 120 Tote! Als Todesursache wurde stets „Erschöpfung“ angegeben. Die Beerdigung erfolgte nach orthodoxem Ritus und wurde von einem Feldkurat namens Johann IMBROANE vorgenommen.

Die bis 24. 04. 1917 im Lager verstorbenen Rumänen wurden vorerst zu zweit in einem Grab auf dem Ortsfriedhof von Zwentendorf beigesetzt. Die Toten, der nach Tulln ins Kriegsspital verlegten Rumänen (über 60 Mann), wurden in einer Abteilung des dortigen Stadtfriedhofes beerdigt. Der damalige Pfarrer von Zwentendorf (Engelbert Hetzendorfer, 1913 1933) war durch die Platznot auf dem kircheneigenen Friedhof genötigt, an die Leitung der Pulverfabrik, wegen der Neuanlage eines Rumänenfriedhofes heranzutreten.

SAMSUNG CAMERA PICTURESDie Pfarre Zwentendorf verkaufte am 22. 04. 1917 an die Pulverfabrik ein ihr eigenes Grundstück in der Größe von 200 Quadratklafter = ca. 720 m2 (Ackerparzelle EZ 415) im SO von Zwentendorf. Kaufpreis 450 Kronen. Das Grundstück ging 1925 in den Besitz der Repuplik Österreich über. All die später verstorbenen rumänischen Kriegsgefangenen wurden schon auf dem neugeschaffenen Rumänenfriedhof beerdigt. Bis Ende 1917 waren dies 35 verstorbene Rumänen. Die bis zum 24. 04. 1917 verstorbenen rumänischen Kriegsgefangenen, 120 Mann, welche am Ortsfriedhof beerdigt worden waren, wurden im Jahr 1929 exhumiert und auf dem neu geschaffenen RUMÄNENFRIEDHOF zur letzten Ruhe gelegt.


 

Der Mythos von der besseren Gefangenschaft (3)

Österreich-Ungarn hat im Ersten Weltkrieg Kriegsgefangene zur Arbeit gezwungen. Dass es diesen Gefangenen besser ging als jenen im Zarenreich oder in Deutschland, sei ein Mythos, sagt die Historikerin Julia Walleczek-Fritz.
Der Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen war ein zentraler Bestandteil der Kriegswirtschaft in den Jahren von 1914 bis 1918. Dahinter würden viel mehr massive Gewaltmechanismen, als bloße ökonomische Notwendigkeit stecken, erklärt die österreichische Forscherin im Interview mit science.ORF.at


Quellenverzeichnis:

(1) Beschreibung zu Geocach GC23TBP
(2) Moosbierbaumer Dorfblattl – Moosbierbaumer Dorfzeitung, Jahrgang 4, Ausgabe 11 vom September 2002
(3) Historikerin Julia Walleczek-Fritz in science.ORF.at.

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