Buchenwald – Gruppe 40

Buchenwald - webVor kurzem sah ich die Neuverfilmung des Romans von Bruno Apitz. Die dramatische Rettung des Jungen in Buchenwald  und der Einblick in die Abscheulichkeiten des menschlichen Wesens berührten mich sehr. Wenn man diese Beliebigkeit zwischen Leben und Tod, diese Grausamkeiten der Folter sieht, dann ist der Titel des Films „Nackt unter Wölfen“ fast verharmlosend.

Ein Gedenkstein in der Gruppe 40 erinnert an das Konzentrationslager Buchenwald.

Historischer Überblick (3)

1937 – Im Juli lässt die SS auf dem Ettersberg bei Weimar den Wald roden und
errichtet ein neues KZ.

1938 – Mit Transporten aus Dachau kommen die ersten Österreicher in das Lager. Unter ihnen sind viele Prominente jüdischer Herkunft aus Kunst, Bildung und Wissenschaft.

1939 – Im KZ und seinen 136 Außenlagern sind insgesamt über 250.000 Menschen inhaftiert. Am Appellplatz wird im September ein Sonderlager errichtet. Zu seinen ersten Insassen gehören 110 Polen, die von der SS in einen Drahtverhau eingepfercht werden, wo sie binnen weniger Wochen verhungern und erfrieren.
Nach Kriegsbeginn im Oktober  werden 8500 Männer eingewiesen, darunter etwa 700 Tschechen, Hunderte burgenländische Roma, über 2200 Polen und mehr als tausend Wiener Juden. Über 3000 Polen und Juden werden von der SS im Sonderlager auf dem Appellplatz in Zelten zusammengedrängt. Hunderte der burgenländischen Roma und Wiener Juden fallen im Winter der Kälte und der Zwangsarbeit zum Opfer oder werden durch Injektionen ermordet. Wegen der vielen Toten beginnt Anfang 1940 neben dem Appellplatz der Bau eines lagereigenen Krematoriums. Bis Februar 1940 sterben fast die Hälfte der Häftlinge im Sonderlager. Es ist der erste Massenmord in einem deutschen Konzentrationslager.

1940Ernst Heilmann, Mitglied des Deutschen Reichstages und Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion im Preußischen Landtag, wird durch eine Giftinjektion ermordet.

1942 – In den Weimarer Gustloff-Werken entsteht das erste Außenkommando bei einem Rüstungsbetrieb. Bevor im Herbst 1943 ein Außenlager in Weimar gebaut wird, kommen die Häftlinge täglich aus dem Lager zur Arbeit. In den nächsten drei Jahren entstehen in ganz Deutschland insgesamt 136 Außenlager des KZ Buchenwald.

1944 – Am Eingang zum Krematorium wird der Vorsitzende der KPD, Ernst Thälmann, erschossen.

1945 – Beginn der mörderischen Todesmärsche. Am Ende des Krieges ist Buchenwald das größte KZ im Deutschen Reich. Über 56.000 Menschen sterben an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung.


Österreicher in Buchenwald

Im September 1938 kamen die ersten Österreicherinnen (burgenländische Roma) nach Buchenwald, und zwar fast gleichzeitig 400 Polizeihäftlinge aus Wien und etwa 1200 österr. Juden aus Dachau. Ein großer Teil der Polizeihäftlinge wurde wieder entlassen.
Bei Beginn des Krieges wurden viel verdächtige Antifaschistinnen, vor allem SozialdemokratInnen und Kommunistinnen verhaftet und ab September 1939 laufend in Buchenwald eingeliefert. (2) Ende 1943 befinden sich 4800 Deutsche und Österreicher im KZ-Buchenwald.(3)

Beispielhafte Darstellung ösetrreichischer Gefangener

550 Österreicher waren bei der Befreiung durch die US-Amerikaner am Leben (4).


 

KanitzOtto Felix Kanitz

Otto Felix Kanitz ist ein sehr wichtiger Vordenker für uns Rote Falken. Er beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit Reformpädagogik und sozialistischer Erziehung. Er tat das aber nicht nur in seiner Schreibstube, sondern lebte unsere Ideale auf Zeltlager und in Kindergruppen.

Als er im Jahr 1919 mit der Leitung  einer großen Ferienkolonie in Gmünd beauftragt wurde, setzte er dort das von ihm und Hermine Weinreb entwickelte Konzept der Selbstverwaltung der Kindergemeinschaft erfolgreich um. Er rief in Gmünd die erste Kinderrepublik aus und ging damit weit über den reinen Fürsorge-Charakter der bisher gekannten Ferienationen hinaus. Durch ein umfassendes Modell der Kindermitbestimmung gelang es „den Geist der Selbstregierung und Selbstverwaltung in den Kindern zu verankern, es gelang in den Kindern das Gefühl der Freiheit und Menschenwürde zu entwickeln“ (Kanitz 1929).

Aufgrund  seiner jüdischen Abstammung und seiner sozialistischen Überzeugung wurde er von den Nazis ins KZ Buchenwald gebracht, wo er im Jahr 1940 an einer Blutvergiftung starb.


Süddeutsche Zeitung , 11. April 2015
Buchenwald-Überlebender Marko Feingold

Unter den wohl 70 ehemaligen KZ-Häftlingen, die zu den Gedenkveranstaltungen nach Buchenwald kommen, ist auch der 102 Jahre alte Marko Feingold. Der jüdische Östereicher kam 1941 ins Lager. Vor der Befreiung habe es Gerüchte gegeben, dass die SS alle Häftlinge ermorden wollte.

„Die Rede war von Flammenwerfern oder einer möglichen Bombardierung“,

sagt Feingold zur SZ. Am Vormittag des 11. April 1945 seien die SS-Leute zusammengerufen worden, „danach sind die meisten davon geschlichen“. Feingold zufolge habe es bis zur Ankunft der Amerikaner ein „Vakuum von drei Stunden“ gegeben, aber keinen Aufstand. Die Wachtürme seien wohl nach und nach von Häftlingen besetzt worden, aber von Kämpfen hat er nichts mitbekommen. Der Zeitzeuge hat an dem Tag „keinen Schuss“ gehört. Feingold attestiert dem kommunistisch dominierten Lagerwiderstand, „gut organisiert“ gewesen zu sein, einen offenen Kampf gegen die SS aber „hätten sie ohnehin nicht gewinnen können.“


Greueltaten in Buchenwald:

Pogrom 1938:
Nach den antijüdischen Pogromen werden 9845 Juden in einen Stacheldrahtpferch gedrängt, grausam misshandelt und ausgeraubt. 255 Juden verlieren dabei ihr Leben.

„Verwertung“ des Menschen: (3)
September 1940: Anordnung, den Toten vor der Einäscherung die Goldzähne herauszuziehen. Seit Sommer ist das Krematorium im Lager in Betrieb.
1942: Das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt, dem die Verwaltung der Konzentrationslager untersteht, ordnet die Ablieferung der abgeschnittenen Haare zur Herstellung von Filz und Textilien an.

Medizinische Versuche an Gefangenen:(3)
In der Fleckfieberversuchsstation, die sich jetzt in Baracke 46 befindet, beginnt eine neue Versuchsreihe an Häftlingen.
Im Block 46 findet die 13. Versuchsreihe an Häftlingen statt, diesmal mit Fleckfiebertherapeutika der Firma Hoechst. Über die Hälfte der Versuchspersonen sterben während des Experiments qualvoll.

Ein umgebauter Pferdestall als Erschießungsanlage: (3)
Vom SS-Kommando „99“ werden in den folgenden zwei Jahren über 8000 sowjetische Kriegsgefangene durch Genickschuss ermordet.

Lampenschirme aus Menschenhaut:
Ackermann ( politischer Häftling in der Pathologie und Sekretär des Lagerarztes Waldemar Hoven) war nämlich, wie er 1950 vor Gericht als Zeuge aussagte, der Überbringer der Lampe. Der Lampenfuß sei aus einem menschlichen Fuß und Schienbein angefertigt worden; auf dem Schirm habe man Tätowierungen und sogar noch Brustwarzen gesehen. Anläßlich der Geburtstagsparty von Koch [August 1941 – H.S.] habe er von Lagerarzt Hoven den Auftrag erhalten, die Lampe in die Villa Koch zu bringen. Das tat er. Einer der Partygäste habe ihm später erzählt, die Präsentation der Lampe sei ein Riesenerfolg gewesen.


Gravour des GrauensKZ-Buchenwald: Das Grauen als Gravur

Nicht einmal handtellergroß sind die gravierten Medaillen von Pierre Provost – der Franzose hat darin seine Erlebnisse im einstigen Konzentrationslager Buchenwald aufgearbeitet. 70 Jahre später kehren die Kunstwerke an den Ort ihres Entstehens zurück. Mehr dazu in ORF-Science


Medienberichterstattung

2005

Profil – Buchenwald heuteBuchenwald heute – Profilartikel 2005
Marianne Enigl begleitete Überlebende des Konzentrationslagers

2015

Tagesschau: Mit einem europäischen Gedenktag gehen die Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen KZ Buchenwald weiter.

Zeit-Online: Ramelow warnt vor dem Geist der Nazis
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat einen Zusammenhang zwischen dem Brandanschlag von Tröglitz und den Verbrechen der Nationalsozialisten hergestellt. Es gelte, die Stimme zu erheben, „wenn die Brandstifter von heute dem Geist der Mordbrenner von damals folgen und geplante Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylbewerber in Brand stecken“, sagte der Linken-Politiker während eines Festakts in Weimar zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald.

2016

Die Zeit: Rubrik Geschichte „Unser Buchenwald“
Am Sonntag, den 17. April wurde die neue Dauerstellung – „Ausgrenzung und Gewalt“ eröffnet. In diesem Artikel wird auch nachgegangen inwieweit die Bevölkerung über die Greueltaten Bescheid wusste. Besonders nachdenklich macht dieser Passus des Artikels:

Im Mai 1942 ermordete die SS im thüringischen Poppenhausen als angebliche Sühnemaßnahme 19 polnische KZ-Häftlinge. Gezeigt wird die Chronik einer nahe gelegnen Pfarrei. Darin wird beschrieben, wie Hunderte von Schaulustigen zur Hinrichtung pilgerten: „Die reinste Wallfahrt“.

Der Artikel aus der Zeit zum Downloaden: DZ_17_16_020

MDR

Ein elementares Ziel der Ausstellung ‚Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945‘ ist es, für Besucherinnen und Besucher nachvollziehbar zu machen, was man besser nicht tun sollte, damit Staat und Gesellschaft nicht inhuman umkippen; was man nicht tun sollte sowohl im Alltag unmittelbar zwischen Menschen als auch in den Bereichen von Politik und staatlicher Verfassung, des Sozialen, des Kulturellen oder des Rechts.

Dies sagte Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau – Dora


 

 

 

 

 

 

 

 

Das Totenbuch Buchenwald ist hier abrufbar.


Quellennachweis:

(1) Liste von Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald – Wikipedia
(2) Der Buchenwald Report, David A. Hackett, 2. Auflage 2010, Beck’sche Reihe, Seite 334, ISBN 978-3-406-60356-3
(3) Stiftung Gedenkstätten, Buchenwald und Mittelbau Dora
(4) Profil 2005 – Buchenwald heute

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