Johanna Dohnal

Frauenberger - DohnalgrabGruppe 32C, 1A
Geb.: 14.02.1939, Wien
Verst.: 20.02.2010, Grabern (Niederösterreich)

„Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine weibliche Zukunft. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündeleien und Weiblichkeitswahn.“
Johanna Dohnal (* 14.2.1939 – ✝ 20.2.2010)

 

Sie besuchte die Volks- und Hauptschule in Penzing. Wiederholte Verschickungen in Kinderheime, da Johannas Mutter Tuberkulose hatte. Sie erlernte den Beruf „Industriekaufmann“ und heiratete mit 18 Jahren Franz Dohnal. Sohn Robert kam 1959 zur Welt, Tochter Ingrid 1961.

Webseite Johanna DohnalPolitische Arbeit

1969: In den Bezirksrat des XIV. Wiener Gemeindebezirkes

Die junge Sozialdemokratin war auch Vorsitzende des Vereins „Die Frau und ihre Wohnung„, ein Verein, der sich zunächst mit der Gestaltung von Wohnungen und Haushaltsgeräten in der Nachkriegszeit beschäftigte, aber unter ihrer Anleitung Sozialdienste wie Heimhilfe oder Besuchdienst ausbaute.

1971: Wahl zur Vorsitzenden der Penzinger Sozialistinnen. Der Kampf um die Fristenregelung sensibilisiert Johanna Dohnal für Frauenanliegen.

Landesfrauensekretärin der SPÖ Wien 1972–1979
Mitglied des Wiener Gemeinderates und Abgeordnete zum Wiener Landtag 1973–1979
Staatssekretär(in) im Bundeskanzleramt, 05.11.1979 – 17.12.1990

1977 initiierte Johanna Dohnal die ersten Selbstbewusstseinsseminare für Frauen.

Dohnal011978: Johanna Dohnal bzw. die Wiener Sozialistinnen starteten die ersten Vorbereitungskurse für Mädchen, die einen technischen Beruf ergreifen wollen. Begleitet wurden diese Kurse durch die Aktion „Werkelfrau und Schlossermädchen“.
Am 1. November 1978 eröffnete das von Johanna Dohnal durchgesetzte erste Frauenhaus in Wien.

1980 wird Dohnal von Bundeskanzler Bruno Kreisky mit der Abwicklung des Nationalfonds „Hilfe für Kinder der Dritten Welt“ betraut. Damit beginnt ihr Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit.

Sowohl bei der 2. Weltfrauenkonferenz 1980 in Kopenhagen als auch bei der Weltfrauenkonferenz 1985 in Nairobi ist Johanna Dohnal Leiterin der österreichischen Delegation und Vizepräsidentin der Konferenz.

Johanna Dohnal gründete 1981 als sozialistische Funktionärin sowohl auf Bundes- als auch auf Wiener Ebene den Arbeitskreis „Frieden – Abrüstung – Dritte Welt“.
Club 2: Frauenbilder Bilderfrauen, 1981 in Originallänge

1983 bis 1991 übernimmt Johanna Dohnal den Vorsitz im überparteilichen Hilfskomitee für Nicaragua.

Dohnal02Im Strafrechtsänderungsgesetz 1987 kam es zu einer Verbesserung der Situation des Opfers in einem Strafverfahren gegen einen Sexualstraftäter. Ergänzt wurde das Gesetz 1994 durch die Einführung der „schonenden Vernehmung“ von Frauen und Kindern, die Opfer von Gewalt wurden.

Als neue SPÖ Frauenvorsitzende startet sie 1988 zusammen mit Edith Dobesberger die Aktion „Friedensteppich“.
1988: Beseitigung der Schenkungssteuerpflicht für nicht erwerbstätige Ehefrauen (diese mussten bis dahin für ihren Anteil am Wohnungseigentum Schenkungssteuer zahlen), da nach dem neuen Familienrecht Haushaltsführung ebenso wie Erwerbstätigkeit als Beitrag zum Unterhalt zählt.

1989 folgt die endgültige Beseitigung der automatischen Amtsvormundschaft für uneheliche Kinder, die Ermöglichung von Teilzeitarbeit für Eltern von Kleinkindern im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber sowie die erbrechtliche Gleichstellung unehelicher Kinder mit ehelichen.

Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ 1987–1995, Stellvertretende Vorsitzende der SPÖ

Die Sprache ist Ausdruck des Bewusstseins

„Wannst a Mann bist, sitzt im Chef-Fotö,
wannst a Frau bist, bleibst a Tip-Mamsö,
’s is net alles ans, ’s is net alles ans,
ob’s d a Mannsbild bist oder kans!“

Bundesministerin im Bundeskanzleramt, 17.12.1990 – 31.12.1994

Betraut mit der Leitung der zum Wirkungsbereich des Bundeskanzleramtes gehörenden Koordination in Angelegenheiten der Frauenpolitik sowie der Angelegenheiten der Gleichbehandlungskommission, – 29.01.1991 – 31.12.1994
Betraut mit der Leitung der zum Wirkungsbereich des Bundeskanzleramtes gehörenden Koordination in Angelegenheiten der Frauenpolitik,  02.01.1991 – 31.12.1994

Von 1992 bis 1993 läuft die Kampagne „Gewalt gegen Frauen – Frauen gegen Gewalt“ als Startschuss für die Entwicklung des Gewaltschutzgesetzes. Das österreichische Gewaltschutzgesetz war und ist Vorbild für ähnliche Regelungen im Ausland.
Frau des Jahres 1992 wurde Johanna Dohnal zur „Frau des Jahres“ gewählt. An der Wahl beteiligten sich auf Einladung der ORF-Redaktion „WIR Frauen“ 500 Journalistinnen von Print-Medien.

1993: Aufhebung der Differenzierung des Werkunterrichts nach Geschlecht.
Juni 1993: Johanna Dohnal ist Vorsitzende des Frauenrechtskomitees der UN-Menschenrechtskonferenz in Wien

Abgeordnete zum Nationalrat (XIX. GP), SPÖ – 07.11.1994 – 14.12.1994

Bundesministerin für Frauenangelegenheiten, 01.01.1995 – 06.04.1995

Von 1996 bis 1998 war sie Vorsitzende des Nord-Süd Institutes für Entwicklungszusammenarbeit.

2008 Wiener Frauenpreis

Am 22. Jänner 2010 verpartnerte sich Johanna Dohnal mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin Annemarie Aufreiter am Standesamt Wien-Margareten.

Interview zur Fristenlösung

Das Dokument vom 25.1.2010 ist eines der letzten politischen Statements von Johanna Dohnal.
Pressegespräch am 25. 1. 2010
35 Jahre Fristenlösung – Und jetzt?

Johanna Dohnal: Nachruf und Begräbnis am 6. März 2010 in Wien

 Fischer: „Mutige Vorkämpferin“
(Kommentar im Standard, anläßlich ihres Ablebens)

Bundespräsident Heinz Fischer hat in seiner Stellungnahme zum Ableben von Johanna Dohnal die Arbeit der früheren Frauenministerin umfassend gewürdigt. Mit dem Tod Dohnals verliere Österreich eine „mutige Vorkämpferin für Frauenrechte und Gleichberechtigung“, der sehr viele Frauen in Österreich und damit das ganze Land sehr viel verdankten.

Die Johanna-Dohnal-Gedenktafel wurde anlässlich der Benennung des Johanna-Dohnal-Hauses enthüllt. Seit einem Jahr besteht das Frauenwohnprojekt des Vereins [ro*sa] in Wien Donaustadt. Die von der Wohnbauvereinigung der Privatangestellten (WBV-GPA) errichtete Wohnanlage wurde nun dem Andenken an Österreichs erste Frauenministerin Johanna Dohnal gewidmet.

die Zukunft„Wir müssen offen Stellung beziehen gegenalle Hetze und Diffamierung von Menschen und Minderheiten.
Wir müssen die Demokratie vor Demontierern schützen.”
Irmtraut Karlsson schreibt in der Zukunft

Bücher

Thurner, Erika und Alexandra Weiss: Johanna Dohnal – Innensichten österreichischer Frauenpolitiken. Innsbrucker Vorlesungen. StudienVerlag, 2008, 228 Seiten, gebunden, € 17,90 (ISBN: 978-3-7065-4636-2)
Feigl, Susanne: Was gehen mich seine Knöpfe an? Johanna Dohnal. Eine Biografie. Wien 2002 (Ueberreuter Verlag) € 24,90
Kreisky, Eva und Margit Niederhuber (Hg.): Johanna Dohnal. Eine andere Festschrift, Wien 1999 (Milena Verlag) € 27,90
Karlsson, Irmtraut und Hans Waschek: Johanna ist fünfzig. Linz 1989 (Gutenberg-Werbering)
M. Spiegel, WIENER DAMENHAFT eine Interviewcollage, 2005 Verlag Turia + Kant, 222 Seiten, € 22,–

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